In aller Stille von den Toten Hosen: CD-Kritik im Schnelldurchlauf

1 Chusma-Stern2 Chusma-Sterne3 Chusma-Sterne (Null Stimmen)

In aller StilleDie Single war ja schon mal gut. Und kostenlos. Ansonsten ist “Strom” von den Toten Hosen vor allem laut. Und “In aller Stille”?  Schnelldurchlauf – die Erste.

Erstes Lied: “Strom” – kenne ich schon (von der oben erwähnten Single). Genial – skip.

Das seltsam sperrige zweite Lied. Campinos Religionskritik klang vor allem textlich schon mal runder. “Innen ist alles neu” ist auf jeden Fall auch laut.

“Disco”: Cooler Kylie-Minogue-Einstieg und dann ein paar dicke Gitarren hinterher. Die Hosen verstehen die Welt – im speziellen die Disco-Gänger – nicht mehr und schreiben darüber ein mäßig ironisches Lied: “Und ich kann es nicht fassen, wieviele sich hier vögeln lassen” – das ist schon skandalös.

Endlich mal ein bisschen Melodie. Gute Hosen-Hausmannskost, das “Teil von mir”.

Campino im Duett mit Birgit Minichmayr: Spartanisches Gitarrengeklimper zu einem gewollt unverständlichen Text. Äh, ja.

Switch. Gitarrenaggression. Aggresiv wie der Titel “Leben ist tödlich”. Das versteht man dann doch besser. Und geht gut und laut runter.

“Und ich kann es nicht fassen, wieviele sich hier vögeln lassen”

Klingelingklingelingklavier. Gaaaaanz tieft tauchen die Hosen hier hinab in die Abgründe der Philosophie. So tief, dass sicher die Gefahr besteht zu “Ertrinken”. Musik solide.

“Viva la revolution” – äh nein – “Alles was war” heißt Nummer 8. Netter Rückblick aufs Leben, wenn musikalisch auch von “Opium fürs Volk” geklaut. “Vielen Daaaaaaaaaaank” sage ich auch.

Denke mal was Schlechtes. Füge einen Haufen laute Musik dazu. 500 Gramm Gesellschaftskritik dazutröpfeln. Einmal kräftik durchrühren, fertig ist “Pessimist”.

Und schon wieder zurückblicken. Weil nichts übrigbleibt. “Wir bleiben stumm”, und mir fällt dazu auch nix mehr ein.

Big Brother, pass auf. Hier kommen die Hosen. Dass der Kontrollstaat sowieso nicht gewinnt, ist doch schon voher klar gewesen. “Die letzte Schlacht gewinnen wir”.

“Tauschen gegen dich”. Schönes Liebeslied. Aaaaaaaber: Wer “Unsterblich” kennt, hat den Song schon mal gehört…”Unser Haus” kann man aber gerne nochmal recyceln.

“Das beste Lied haben die Hosen ja schon vorher verschenkt.”

Und, der Rausschmeißer. Der Einstieg kling irgendwie wie die Titelmusik von Dexter. Unheimlich geht es weiter, “Angst” schließt diese laute Platte mit einem der besseren Songs ab.

Nach 42 Minuten ist schon Schluss. Das war keine “Horrorshow” und kein “Opium”. Den schwachen Vorgänger “Zurück zu Glück” zu übertreffen, war allerdings auch nicht so furchtbar schwer. Ganz stolz meinte Campino in zahlreichen Interviews, dass diesmal Spaß-Lieder à la “Jägermeister” außen vorgelassen wurden. Gut so. Für eine Hosen-Platte ist “In aller Stille” allerdings doch ein wenig grau geraten.

Kaufen werden sich die Platte Hosen-Fans sowieso. Auch wenn man sich das Geld hätte sparen können. Denn das beste Lied haben die Hosen ja schon vorher verschenkt. Replay.

Weitere Chusma-Texte

Senf abgeben