Das Land in dem ich lebe

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Ich lebe in einem Land, in dem viele Menschen große Probleme haben. Probleme, weil sie ihre Arbeit verloren haben. Geldprobleme, weil sie ihre überteuerte Hypothek oder die Raten für den neuesten Flachbildfernseher nicht zahlen können. Gesundheitliche Probleme, weil sie sich keinen privaten Arzt leisten können, um schnell behandelt zu werden.

Ich lebe in einem Land, in dem niemand so recht weiß, ob und wann die Wirtschaft wieder in die Gänge kommt.

Ich lebe in einem Land, in dem der Regierung in ihrem Handeln enge Grenzen gesetzt sind. Die Regierung hat die Situation nicht vorhergesehen. Und Visionen hatte sie auch nicht. Die Opposition dieses Landes hat noch viel weniger Visionen und ist nur auf Macht aus. Ich lebe in einem Land, in dem Politiker (wie in vielen anderen Ländern auch) unter Generalverdacht stehen, korrupt zu sein.

Jetzt könnte man ja sagen: Es muss etwas geschehen!

Aber in dem Land, in dem ich lebe, sehen die meisten Menschen keine Notwendigkeit, etwas zu tun. Sie sehen andere Dinge. Zum Beispiel Fußball. Sie streiten sich über Fußball und beschimpfen sich. Sie sehen auch andere Menschen, die angeblich etwas besser leben, in einem anderen Teil des Landes. Und sie streiten und beschimpfen sich und regen sich darüber auf, dass die einen die anderen ausnutzen und nur auf Kosten der anderen leben. Die Menschen sehen ihren Nachbarn mit Neid an, aber sie sehen nicht die Brille des Vorurteils, die sie selbst tragen. Sie sehen nicht, dass ihr Nachbar genau die gleichen Probleme hat. Sie gehen allein, nicht vereint.

All diese Menschen haben eine Sache gemeinsam: Sie sitzen alle im gleichen Zug und streiten sich gleichzeitig darüber, welche Flagge man an den Zug hängen sollte, diskutieren darüber, dass jede Gruppe ihren eigenen Waggon bekommt und dass natürlich der eigene Fußballclub der beste ist. Die Zugführer wissen auch nicht, was zu tun ist und werden sich nicht einig, welche Knöpfe man drücken soll um den Zug zu steuern. Während alle lauthals reden, diskutieren und streiten rast dieser Zug leise aber immer schneller auf den Abgrund zu.

Ich lebe in einem Land, das Spanien heißt und wo die Menschen fröhlich und offen sind. Wo der soziale Status nebensächlich ist, wo die Menschen viel lachen und wenig weinen.

Ich wünsche mir, dass dies so bleibt. Ich habe meine Zweifel.

Originaltext von Gerard Oscar Charri Baigorri de la Mancha

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