Das Ikea-Bett-Syndrom oder ‘Gute Nacht’ Spanien

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Spanien.

Land des Sangrias, der verschmutzten gepflegten Mittelmeerstrände, Land der Siesta.

Spanien.

Rezession, 23% Arbeitslosigkeit, Schulden.

Aber warum geht es in Spanien nicht wirklich vorwärts?

Ich weiß es. Es liegt am Ikea-Bett-Syndrom.

Es begann mit einer spontanen Einkaufstour im lokalen Matratzengeschäft in Barcelona. Angelockt von riesigen Sonderangebotsschildern ließ ich mich hinreißen und betrat den recht geräumigen Laden.

Natürlich verlor ich gleich den Überblick. Dicke, dünne, große, kleine, genoppte, glatte Matratzen, in allen Preisklassen und Farben – da war sachkundige Information gefragt.

Hilfe suchend wandte ich mich an die etwas schlecht gelaunt schauende Verkäuferin, die mich – trotz gähnender Leere im Laden – bisher recht geschickt ignoriert hatte. Jetzt gab es aber auch für sie kein Entkommen.

“Ich suche eine Doppelbettmatratze”
“Maße?”
“200 x 140″
“Dann haben Sie so ein komisches Ikea-Bett

Erstmal schlucken.

“Äh, ja, ich habe ein Bett von Ikea, und?”
“Ikea-Betten haben so merkwürdige Maße. Diese Maße führen wir nicht”.

Despektierliche Blick versuchen, mich zu töten. Ich halte aber noch durch.

“Und was können Sie mir anbieten?”
“Normale Maße eben. 200 x 135.”
“Ein bisschen klein für mein Bett”
“Aber was anderes haben wir nicht. Ikea hat ja so komische Maße bei den Matratzen.”

Das wars.

“Ja, äh, danke. Adios.”

Man soll ja nicht generalisieren. Mach ich aber trotzdem. Geschätzte 900 Millionen Spanier haben ein Ikea-Bett und trotzdem versucht mir diese schlecht gelaunte Verkäuferin zu erzählen, dass es sich um “komische” Maße handelt?

Wie wärs denn mal mit “Lass uns mit Ikea konkurrieren und entsprechende Matratzen-Maße anbieten”?

Nix.

Ich kaufe mir demnächst eine neue Matratze bei Ikea. Ach was, gleich ein ganzes Bett. Oder eine komplette Schlafzimmereinrichtung. Schließlich gehts den Schweden wirtschaftlich auch nicht so gut, muss man ein bisschen unterstützen.

Solange Spanien unter dem Ikea-Bett-Syndrom leidet, kann ich mein Geld Not gedrungen leider nur woanders ausgeben.

Der Laden, der Schauplatz dieser “komischen” Begegnung war, ist mittlerweile Pleite. Aber da sind ja die anderen dran Schuld.

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